DKAC Sachsen-Anhalt

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Abenteuer Brandenburg

Tagebuch ´11

Schon zu Beginn des Jahres sprachen Ronny und ich darüber in diesem Jahr einen Angeltrip an einen großen Natursee irgendwo in Deutschland zu machen. Uns ging es bei diesem Gedanken weniger darum große Fische zu fangen, als mal so richtig weg  von der Zivilisation und vorbeikommenden Anglern eine schöne Zeit am Wasser zu verbringen.
Im Verlauf des Jahres informierten wir uns an den verschiedensten Stellen, immer auf der Suche nach einem Gewässer, das verschiedene Punkte vereint: Abgeschiedenheit, gute Wasserqualität um auch mal planschen zu können und zumindest die theoretische  Möglichkeit einen großen Karpfen zu fangen.
Nach langem Suchen wurde uns dann von den Carpjunkies Brandenburg der Helenesee bei Frankfurt/Oder empfohlen. Der See wird touristisch genutzt, was uns zunächst abschreckte, doch die Größe sollte es uns leicht machen einen abgelegenen Platz zu  finden. Außerdem verfügt der See über eine Wasserqualität, wie ich sie noch nie bei einem Binnensee gesehen habe. Entscheidung getroffen!

So kam es dann also, dass Ronny und ich vom 22. - 26.August 2011 in unseren Angelurlaub nach Brandenburg starteten.


Tag1 Wir saufen ab!

Nach etwa zwei Stunden Fahrt kamen wir an dem schön gelegenen Helenesee an und lösten unsere Angelscheine in der Rezeption der Badeanstalt. Dort verwies man uns auch gleich zum Bootsverleih, wo wir unser Boot zu Wasser lassen konnten. Auf dem See ist  leider nur das Befahren mit dem E-Motor erlaubt, was angesichts der langen Strecke bis zu dem, via Google-Earth,  ausgewählten Angelplatz, dem Durchstich zwischen Katja- und Helenesee, für lange Gesichter sorgte.
Bei einer so langen Fahrstrecke wollten wir unbedingt die ganze Ausrüstung mit einem mal wegkriegen. So beluden wir das Boot als bis zur Kotzgrenze, ich setzte mich einfach oben auf den gut 1,50m hohen Berg aus Ausrüstung und Ronny gab Kante….

Wir hatten etwa ein Freibord von 10cm und was wir nicht beachtet hatten, wir fuhren von der Lee-Seite des Sees zur Luv-Seite, zu deutsch, die Wellen wurden immer höher, je näher wir dem Ziel kamen…. Letztendlich waren sie so hoch, dass wir  Wasser ins Boot bekamen und an Land fahren mussten, um das Boot, verringert um unser Gewicht, durch das seichte Uferwasser zu ziehen.

Nach einer schier endlosen Plackerei kamen wir dann endlich an unserem Platz an und begannen das Boot auszuräumen. Schnell wurde das Ausmaß unserer Bootsfahrt ersichtlich,  der Boden stand gut 5cm unter Wasser, was sich erstmal nicht so schlimm  anhört, wenn man aber bedenkt, dass ausgerechnet unsere Klamottentaschen auf dem Boden standen, dann wird schnell klar, warum wir, sagen wir mal vorsichtig, angepisst waren…
Es dauerte dann ein paar Stunden, bis das Lager eins aufgebaut war und die Klamotten alle auf der Wäscheleine hingen. Zum Glück spielte das Wetter mit, so hatten wir bereits am ersten Tag über 30° C und einen ordentlichen Sonnenbrand.
Den Nachmittag verbrachten wir damit die Gegend zu erkunden, so fuhren wir die komplette Wasserfläche, die vor uns lag mit dem Echolot ab und gingen bei den interessanten stellen auf Tauchstation. Da ich mein Schnorchelkram dabei hatte (bestens vorbereitet  *g*) bekamen wir einen tollen Eindruck von der Unterwasserlandschaft.
Was für mich das beste daran war, ist die unfassbar gute Sichtigkeit unter Wasser, ich tauche schon seit vielen Jahren und in allen Meeren der Welt, aber nur die wenigsten können mit dem Helenesee in Brandenburg mithalten…
Am späten Nachmittag hatten wir dann die Plätze markiert, angefüttert und die Ruten ausgebracht, sodass wir nach einem harten Tag endlich zum angenehmen Teil übergehen konnten.

Das einzig störende waren die Mücken…. Ab etwa 19 Uhr war es fast unmöglich sich draußen aufzuhalten, alles cremen und sprühen half nichts, eine noch nie gesehene übermacht von Blutsaugern machte uns bis etwa 22 Uhr das Leben  zur Hölle.
Erschöpft vom Tag und zerstochen von den Mücken gingen wir dann irgendwann ins Bett, natürlich mit der Hoffnung gleich am ersten Tag noch einen Karpfen zu fangen…


Tag 2 Ick gloob et nich!

Das waren die ersten Worte, die wir am Morgen des 2. Tages zu hören bekamen.
Wir waren grad aus den Zelten gekrochen, da kam auch schon ein kleines Männlein auf uns zu uns faselte was von Fischereiaufsicht, alles was ich immer wieder verstanden habe war: ick gloob es nich!

Scheinbar unglaublich wichtig und pflichtbewusst wies und der Aufseher darauf hin, dass unser Biwak               
                    1. zu weit vom Wasser entfernt war
                    2. standen die Zelte in einer Schonung

Hört sich echt dreist an, aber wenn man mal bedenkt, dass wir weiter vom Ufer entfernt standen, weil das Ufer ein Steilhang mit 60° Gefälle war und 2. zwar einen Zaun erkannt hatten,  der eine Schonung hätte darstellen können, wenn er nicht überall zersägt, umgetreten und überwuchert gewesen wäre. Kurz gesagt, wir dachten, wir wären außerhalb der Schonung, waren wir aber scheinbar nicht.
So mussten wir also nach heftigen Protesten des kleinen Männchens unser Camp ein paar Meter weiter erneut aufbauen um dann aber endgültig unsere Ruhe zu haben….
dachten wir…
Im Verlauf des Tages gefiel uns unser neuer Platz immer besser, schließlich hatten wir jetzt kein Steilufer mehr, sondern einen eigenen kleinen Strand mit Badestelle, einen Tag zuvor dachten wir ja noch, dass diese Stelle in besagter Schonung liegen  würde…
So positionierten wir unsere Ruten also um, die Futterplätze blieben jedoch dieselben.
Direkt vor unserer Badestelle lag eine Sandbank mit Schilfbewuchs, die für mich das Highlight des Trips darstellen sollte. Ich legte dort einen Futterplatz an, zu Fuß wohl gemerkt, da das Wasser dort nur etwa 1,5m tief war. Meine Montage tauchte  ich bis zum Boden und präparierte sie dort perfekt. Ich blieb mit der Schnorchelausrüstung noch eine Weile in der Nähe und erfreute mich an den unzähligen kleinen Weißfischen, die sich auf dem lichtdurchfluteten Futterplatz tummelten – ein herrlicher Anblick, schade, dass ich keine UW-Kamera dabei hatte, sonst hätte ich euch teilhaben lassen.

Wir verbrachten am 2. Tag wieder eine ganze Weile im Wasser und erkundeten die Unterwasserwelt, Ronny bekam dabei seine ersten Übungsstunden im Schnorcheln und war nach anfänglicher Skepsis dann auch so begeistert, dass er kaum noch aus dem Wasser  zu kriegen war.
Leider biss jedoch auch am 2. Tag kein Karpfen.


Tag 3 Der nackte Mann und der Sturm

Nach dem wir ausgeschlafen hatten nahmenwir erstmal  unser morgendliches Bad um frisch in den tag zu starten.Wir hatten noch immer keinen Fisch gefangen und dachten langsam drüber nach etwas zu ändern. Schnorchelnd suchten wir also wieder nach neuen Plätzen um evtl. eine oder 2 Ruten umzupositionieren, schließlich befischten wir mit 4 Ruten bereits  4 verschiedene Plätze.
Auf unserer Suche umschwammen wir auch wieder die Schilfbank vor unserer Badestelle und dann geschah es plötzlich, wie in den einschlägigen Filmen der UW-Filmemacher, ein richtig fetter Spiegler kam aus einer Schilfbucht langsam auf uns zu, wir  blieben ganz ruhig im Wasser liegen und beobachteten den Fisch, der sicher um die 30Pfd hatte. Als er uns sah drehte er langsam ab und verschwand wieder in die Schilfbank aus der er gekommen war. Unser erster Karpfenkontakt und dann auch noch beim Schnorcheln,  den Anblick werden wir beide sicher nie vergessen….
Am Nachmittag, wir lagen grad ein wenig faul in der Sonne, bemerkten wir dann einen fremden Schnorchler, der an unserer Uferseite entlang schwamm. Er hatte uns bereits gesehen und verstanden, dass wir Leinen im Wasser hatten, sodass es zu keinem Zwischenfall  kam. Der ältere Herr hielt dann gradewegs auf uns zu und kam langsam aber sicher aus dem Wasser… nackt…. Ein Anblick, mit dem wir ganz und gar nicht rechneten und deshalb sicher auch etwa verdutzt ausgesehen haben…

Der ältere Herr zauberte dann aus irgendeiner Hautfalte eine Flasche Bier hervor, die er sich dann bei uns am Strand einverleibte. Wir quasselten ein wenig über Erlebtes und gesehenes und verabschiedeten uns nach einer guten Stunde höflich von  unserem nackten Besucher, der wieder im Wasser verschwand.

Bisher hatten wir mit dem Wetter wirklich Glück, jeden Tag Sonne und nachts sternenklarer Himmel, doch heute sollte sich was ändern…
Am Horizont sahen wir schon ein gewaltiges Gewitter seine Schleusen öffnen, es regnete, sodass der Himmel schwarz wurde, nur erhellt von denn sekündlich zuckenden Blitzen.
Wir saßen bis dahin noch relativ gemütlich im Stuhl, da das Gewitter scheinbar von Nord-West nach Süd-Ost an uns vorbei ziehen wollte. Als es dann in letzter Minute doch noch seine Richtung änderte und auf uns zu kam, begannen wir aber mal  ganz zackig das Camp zu befestigen. Dem Gewitter ging ein gewaltiger Sturm voraus, der unser Camp fast aus den Angeln hebelte, schließlich standen die Zelte auf Sandboden, in dem die Häringe nur wenig Halt fanden. Hastig brachten wir alles was lose  war in die Zelte und fixierten diese so gut es ging am Boden. Schon kurze Zeit später schlugen die ersten Blitze, in einem von mir noch nie erlebten Takt, in unserer unmittelbaren Nähe ein. Wir beschlossen kurzerhand das Lager aufzugeben und Schutz  etwas weiter vom unbewaldeten Ufer zu suchen.
Nach etwa einer Stunde war der Spuk vorüber und wir gingen mit gemischten Gefühlen zurück zum Camp. Wird wohl noch alles stehen, oder hat es die Zelte zerfetzt?- sie stehen noch! An dieser Stelle mal ein Loblied an das „Ultimate Dreamcatcher  Duo“, ich garantiere euch, diesen Sturm hätte nicht jedes Zelt mitgemacht. Überall lagen entwurzelte Bäume herum und Unrat, den der Sturm mit sich brachte. Bei nur noch mäßigem Regen legten wir uns dann ins Bett und ließen uns  von seinem Prasseln auf dem Zeltdach in den Schlaf lullen.


Tag 4 Karpfen auf dem Platz

Dieser Tag stand dann wieder ganz im Zeichen der Sonne, sie lachte über uns als wäre nichts gewesen, nur das Wasser war von dem Sturm noch etwas aufgewirbelt.
Wir verbrachten den Tag wie auch schon die Tage zuvor mit sonnen, baden und essen. Nebenbei gingen wir immer mal wieder auf Schnocheltour, bei einer dieser Touren konnte ich tatsächlich einen Karpfen kleineren Kalibers, etwa 10 Pfund, beobachten, wie  er auf den Platz an der Schilfbank kam und sich dort eine Hand voll Partikel einverleibte um ganz gemütlich wieder zu verschwinden. Der Fisch  schien mich nicht mal bemerkt zu haben, so sorglos wie er über den Platz schwamm, leider blieb er nicht  und sonderlich viel Hunger schien er auch nicht zu haben.
Am Abend dann wie immer chillen, grillen und Mücken in beliebiger Reihenfolge.
Wir besprachen bereits die Abreise, die am nächsten Tag stattfinden sollte und genossen noch einmal den schönen Abend, bei sternenklarem Himmel und einer köstlichen Bratwurst…


Tag 5 Schleie zur Abreise

Es muss etwa morgens um 8 Uhr gewesen sein, als wir von einem Geräusch geweckt worden, dass wir schon längere Zeit nicht zu hören bekamen… es war das vorsichtige Piepsen eines Bissanzeigers, Ronnys Bissanzeiger. Auf seinem Platz konnten  wir schon seit einigen Tagen immer wieder einen guten Trupp größere Schleien beobachten, die sich dort an dem eingebrachten Mais zu schaffen machten. Ronny fischte bereits seit 2 Tagen mit Maiskette, konnte jedoch noch keine der vorsichtigen Tincas   erwischen. Nun war es dann endlich soweit und uns beiden war bei dem vorsichtigen Biss sofort klar, dass er eine gehakt hatte. Nach kurzem Drill lag der Fisch im Kescher und auf der Matte. Die Fotosession, im Wasser, fand sofort im Anschluss statt und  brachte dann auch ein paar schöne Bilder von der 45cm Schleie gemeinsam mit Ronny im Wasser.
Putzmunter nach diesem morgendlichen Bad ging es dann nahtlos zu unserem letzten Frühstück am Wasser über.

Der Vormittag stand dann schon wieder im Zeichen hektischen Getümmels, schließlich hatten wir eine ganze Menge an Ausrüstung zu verstauen…
Als alles verpackt war genossen wir ein letztes Mal den Blick über die schöne Helene und stiegen dann etwas wehmütig, aber auch um ein paar tolle Erlebnisse bereichert in das Auto um uns auf den Heimweg zu begeben…

Letztendlich muss man wohl sagen, dass die Mission in Brandenburg einen Karpfen zu fangen scheiterte, aber der Angeltrip mit meinem guten Freund Ronny war dennoch ein voller Erfolg!

Schauen wir mal, wo wir 2012 hinfahren…

Stefan Kunze

 
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